Promotionsstipendium: Kommunikationstraining für Personen mit erworbener Hörstörung und ihre Bezugspersonen HALLO

Das Promotionsstipendium mit dem Thema „Die Entwicklung der deutschsprachigen Version des Kommunikationstrainings ACE – Active Communication Education – für Personen mit erworbener Hörstörung (DV-ACE)“ ist in den Forschungsschwerpunkt HALLO (Hören im Alltag Oldenburg) des Instituts für Hörtechnik und Audiologie der Jade Hochschule in Oldenburg eingebunden, finanziert von der Stiftung VW Vorab. Die Promotion wird von Prof. Dr. Frauke Koppelin (TGM) und Prof. Dr. Gisela Schulze (CvO Universität Oldenburg) betreut.

Neben der technischen Versorgung eines Hörverlusts werden zusätzliche rehabilitative Maßnahmen empfohlen, die psychosoziale Aspekte einer Hörstörung und die Auswirkung auf die Kommunikation von Personen mit Hörstörung und ihrer Bezugspersonen aufgreifen. Das Hören bildet die Grundlage für die lautsprachliche Kommunikation und übernimmt damit wichtige psychosoziale Aufgaben. Besteht ein herabgesetztes Hörvermögen, so werden sowohl lautsprachliche Äußerungen schlechter gehört, als auch paralinguale Hinweise wie prosodische Elemente in geringerem Ausmaß erfasst. Wichtige Informationen gehen dadurch in der Kommunikation verloren und es resultieren häufigeres Unterbrechen von Gesprächen und das Auftreten von Missverstehens-Situationen (Tesch-Römer 2001). Arlinger weist darauf hin, dass es einer erhöhten Konzentration bedarf einem Gespräch zu folgen und eine schnellere Ermüdung eintritt (2003). Die Folgen, die aus einer erschwerten Kommu-nikation resultieren, führen entsprechend zu vielfältigen psychosozialen Konsequenzen, wie Rückzug oder sozialer Isolierung (Arlinger 2003, Hallberg et al. 2008, Heine & Browning 2002, Scarinci et al 2009 a/b, Tesch-Römer 2001). Vor dem Hintergrund wird deutlich, dass die Veränderungen in der Kommunikation eine zentrale Belastung für Menschen mit einer Hörstörung darstellen und gleichzeitig das Gelingen der Kommunikation großen Einfluss auf die positive Bewältigung einer Hörstörung hat. Hinsichtlich der ambulanten Versorgungsstruktur von Personen mit Hörstörung ist gegenwärtig ein Mangel an evidenzbasierten Kommunikationstrainings, die die genannten Aspekte integrieren, in Deutschland zu verzeichnen. Die Promotion greift diesen Mangel auf und entwickelt die deutschsprachige Version des Kommunikationstrainings ACE[1]. Dies erfolgt anhand eines mehrstufigen Übersetzungsverfahrens, einer Hospitation des ACE Programm an der Universität in Brisbane sowie einer Interventionsstudie zur Erstevaluation des Trainings. Die Daten dienen der Entwicklung der deutschsprachigen Endversion und der Ableitung erster evidenzbasierter Aussagen. Die zentralen Fragestellungen der Prorammevaluation überprüfen die Zielerreichung und Wirkweisen des Trainings:

  • Kann die Kommunikationsfähigkeit von Erwachsenen mit Hörstörung durch die Teilnahme an dem DV-ACE verbessert werden?
  • Können Kommunikations- und Hörschwierigkeiten, die im Alltag erlebt werden, durch die Teilnahme an dem DV-ACE reduziert werden?
  • Kann die Lebensqualität und das Wohlbefinden von Erwachsenen mit Hörstörung durch die Teilnahme an dem DV-ACE verbessert werden?
  • Kann die Lebensqualität und das Wohlbefinden von Bezugspersonen durch die Teilnahme an dem DV-ACE verbessert werden?
  • Welche Adaptation ist für die deutschsprachige Version des ACE nach der Erstevaluation notwendig?

Im vergangen Jahr 2016 sind an der Jade Hochschule in Oldenburg im Rahmen der Interven-tionsstudie sieben Kursdurchgänge des Kommunikationstrainings durchgeführt worden. Insgesamt konnten Daten von 49 Personen, die an den Kursen teilgenommen haben, davon 30 Personen mit Hörstörung und 19 Lebens- bzw. Ehepartner_innen in die Datenauswertung einfließen. Die Interventionsstudie im Prä-Post-Design umfasst drei Messzeitpunkte: t0: Vor der Teilnahme an der ersten Kurssitzung, t1: 2 Wochen nach der letzten Kurssitzung und t2: 6 Monate nach der Teilnahme an der letzten Kurssitzung. Das Kommunikationstraining beinhaltet fünf Gruppentreffen (6-10 Personen pro Gruppe) a 120 min, die einmal wöchentlich stattfinden. In jeder Kurssitzung wird ein Kommunikationsthema intensiv anhand von Informationen und Übungen individueller Gesprächs-situationen behandelt.

Die Datenerhebung zur Interventionsstudie erfolgte in dem Zeitraum von November 2015 bis Dezember 2016.

Literatur

Arlinger, S. (2003) 'Negative consequences of uncorrected hearing loss' in International Journal of Audiology, Vol.42: 17-20

Hallberg, L. R.-M., Hallberg, U. & Kramer, S. E. (2008) 'Self-reported hearing difficulties, communication strategies and psychological general well-being (quality of life) in patients with acquired hearing impairment' in disability and Rehabilitation, Vol.30 (3): 203-212

Heine, C. & Browning, C.J. (2002) 'Communication and psychosocial consequences of sensory loss in older adults: overview and rehabilitation directions' in Disability and Rehabilitation, Vol. 24 (15): 763-773

Hickson L., Worrall L. Scarinci N. (2015) Active Communication Education – A program for adults with hearing loss – Revised edition 2015, https://shrs.uq.edu.au/filething/get/2327/ACE%20Booklet%202.pdf; [10.06.2017]

Scarinci, N., Worral, L. & Hickson, L. (2009a) 'The ICF and third-party disability: Its application to spouses of older people with hearing impairment', in Disability and Rehabilitation, Vol. 31 (25): 2088-2100

Scarinci, N., Worral, L. & Hickson, L. (2009b) 'The effect of hearing impairment in older people on the spouse: Development and psychometric testing of The Significant Other Scale for Hearing Disability (SOS-Hear)', in International Journal of Audiology, Vol. 48: 671-683

Tesch-Römer, C. (2001) Schwerhörigkeit im Alter – Belastung Bewältigung Rehabilitation, Median-Verlag von Killisch-Horn GmbH

Veröffentlichungen

  • Sybille Seybold (2015) Patienteninformation- Kommunikation mit Partnern nach Cochlea Implantat in Sprache Stimme Gehör,39 (3): 156
  • Seybold, S. (2016) Wie viele Unterbrechungen erträgt ein Gespräch? in Sprache Stimme Gehör, 40 (3): 141-143
  • Seybold, S. (2017) Individuelle Kommunikationsziele von Personen mit Hörstörung und ihren Bezugspersonen in audiologisch, 2: 20-24
  • Müller-Dohm B., Seybold S., Koppelin, K. (2016). „Dann sprich doch einfach lauter!“ Dyadische Bewältigungsstrategien älterer Hörbeeinträchtigter und ihrer Lebenspartner. Sprache Stimme Gehör, 40 (3): 136-140
  • Seybold, S. u. Koppelin, F. (2017) Was möchten Personen mit Hörstörung und ihre Bezugspersonen an ihrer Alltagskommunikation verbessern? (Vortrag auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Audiologie in Aalen, 2017)
  • Seybold, S. u. Koppelin, F. (2017) Communication and hearing goals of Significant Others within the Preliminary German Version of the Active Communication Education Program for Adults with Hearing Loss. (Posterbeitrag auf der International Conference on Cognitive Hearing Science for Communication, June 14-17th, Linköping, Schweden
  • Kropp, M., Seybold, S., Lemke, U. u. Koppelin, F. (2017) Erhebung der Kommunikationswahrnehmung aus der Perspektive der hörbeeinträchtigten Personen und ihren Angehörigen? (Vortrag auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Audiologie in Aalen, 2017)
  • Sybille, S. (2016) Hörschwierigkeiten – Kommunikationsschwierigkeiten Gespräche trotz Hörminderung effektiv gestalten, Vortrag am 12.11.2016 auf einer Informationsveranstaltung der Parkinsongruppe Oldenburg
  • Sybille, S. (2016) Hörschwierigkeiten – Kommunikationsschwierigkeiten, Vortrag am 13.09.2016 auf Veranstaltung des Biochemischen Gesundheitsvereins Wilhelmshaven e.V., Wilhelmshaven