Alltagsrelevante Hörsituationen HALLO

Dieses Teilprojekt des Forschungsschwerpunkts HALLO folgt dem methodischen Ansatz des Ecological Momentary Assessment (EMA). Im Gegensatz zu Befragungen, in denen die Probanden retrospektiv höranstrengende oder schwierige Situationen beschreiben oder auswählen, sind die Probanden in einer EMA-Studie in ihren wechselnden Alltagssituationen zur Bewertung aufgefordert, während zeitgleich eine Analyse der zum Zeitpunkt der Bewertung gegebenen objektiven akustischen Bedingungen erfolgt. Dies hat zweierlei Vorteile: Zum einen sind die objektiv-akustischen Parameter bekannt, die zum Zeitpunkt der subjektiven Bewertung gegeben waren. Zum anderen wird durch die situationsnahe Bewertung der Wahrnehmungen verhindert, dass die Bewertungen stark durch Gedächtnis- und Erinnerungsprozesse überformt werden.

Zur Identifikation von Alltagssituationen in einer EMA-Feldstudie werden Personen mit Smartphone-Geräten und am Ohr getragenen Mikrofonen ausgestattet. Aus den akustischen Signalen werden fortlaufend Parameter berechnet und gespeichert (z.B. Gesamtpegel, unterabgetastete Power Density Spectra). Es werden somit keine Tonaufnahmen gespeichert, sondern lediglich Rechengrößen, aus denen sich keine verständlichen Sprachanteile resynthetisieren lassen. Die extrahierten und in Teilen offline weiterverarbeiteten Schallparameter werden mit den skalierten Werten zur Hör-und Gesamtbeanspruchung, des Kommunikationserfolges und der Befindlichkeit in den Hörsituationen verglichen.

Die subjektive Bewertung der jeweiligen Hörsituationen erfolgt direkt in den jeweiligen Hörsituationen mit Hilfe einer App, die gleichfalls auf dem Smartphone installiert ist. Als Erhebungsinstrumente zur erlebten Situationsbeschreibung und Quantifizierung der erlebten Beanspruchung und Höranstrengung werden Kategorien-Unterteilungsskalen (KU) eingesetzt, die sich sowohl in der Audiologie als auch in der Beanspruchungsmessung bewährt haben. Mit KU-Skalen können auch zusätzliche Variablen wie die Wichtigkeit der Situation oder der Kommunikationserfolg beschrieben werden. Häufigkeit und Dauer verschiedener Hörsituationen, denen sich hörgesunde und höreingeschränkte Personen aussetzen, können als Verhaltensindikatoren für die Beanspruchung durch Hörsituationen genutzt werden. Die Interpretation der zusammengeführten Datensätze erfolgt unter Berücksichtigung des Hörstatus der teilnehmenden Probanden.


Veröffentlichungen