Individual Hearing Aid Benefit in Real Life – Individueller Nutzen einer Hörgeräteversorgung im Alltag IHAB-RL

Schwerhörigkeit hat viele Gesichter. Hörgeräte werden deshalb individuell angepasst. Und es wird überprüft, um wie viel das Sprachverstehen durch Hörgeräte verbessert wird – unter kontrollierten Laborbedingungen. Aber woran lässt sich der Nutzen von Hörgeräten im Alltag festmachen?

IHAB-RL arbeitet an neuen Methoden, die besser erkennen lassen, wie Hörgeräte das subjektive Empfinden und kommunikative Verhalten im individuellen Einzelfall verändern. Mit diesem Projekt wird die Individualisierung in der Hörgeräte-Rehabilitation konsequent aufgegriffen und ökologisch weiterentwickelt. Denn im Kern ist die Versorgung mit Hörgeräten ein Mittel zum Zweck.

Übergreifendes Ziel ist es, die gesundheitsbezogene Lebensqualität schwerhöriger Menschen nachhaltig zu verbessern. Hierzu gehören Aspekte wie das emotionale Wohlbefinden und die soziale Teilhabe in allen Dimensionen, sei es beispielsweise in Kultur und Arbeit, der Familie oder im Kreis von Bekannten und Freunden. Um zu prüfen, ob dieses Ziel erreicht werden konnte, tastete sich die Audiologie bisher mit Fragebögen und somit definierten Hörsituationen an den Alltag heran. Dieses Verfahren erzwingt eine bilanzierende Antwort auf Fragen, die in den konkreten Situationen vielleicht unterschiedlich beantwortet worden wären – durch den Betroffenen, aber auch durch Außenstehende. Außerdem sind individuelle Wünsche und Bedürfnisse im Zweifel nicht angemessen abgebildet.

IHAB-RL begleitet Schwerhörige dorthin, wo sich Hörgeräte beweisen müssen. Und das kurz vor und einige Wochen nach einer Hörgeräteversorgung. Anforderungen und individueller Nutzen der Hörgeräteversorgung werden dabei auf der Ebene der objektiven akustischen Merkmale, der Ebene der subjektiven Wahrnehmung und der Ebene des Verhaltens untersucht.

Wie im Forschungsschwerpunkt HALLO ist Ecological Momentary Assessment (EMA) auch in diesem Projekt die Methode der Wahl. Mit dem Smartphone-System können objektive akustische Parameter (keine Tonaufnahmen!) aufgezeichnet und die Alltagsumgebung an Ort und Stelle entlang verschiedener Kriterien beschrieben und bewertet werden. Um dieses System gleichzeitig mit Hörgeräten nutzen zu können, wurde es aufwändig angepasst.

Übersicht des IHAB Prototyps

Es war eine technische Herausforderung, ein Gesamtdesign zu realisieren, das eine kabellose, mehrkanalige Datenübertragung über einen ganzen Tag hinweg gestattet und aus Sicht des Nutzers einfach und komfortabel ist.

Auch in der theoretischen Konzeption der Befragung ging IHAB-RL einen entscheidenden Schritt über die konventionellen Inventare hinaus. Wichtige Aspekte der hörbasierten Lebensqualität wurden in ein Code- und Kategoriensystem überführt und in einem mehrstufigen, abgleichenden Verfahren mit der International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) verknüpft.

Im weiteren Verlauf des Projekts wird die Hardware des Smartphone-Systems auf einer Open-Source Plattform zum Nachbau beschrieben sowie alle Software für den Betrieb des Systems und die flexible Anpassung des digitalen Fragebogens zur Verfügung gestellt. Gleiches gilt für die ICF-gestützten Kategorien und Codes zur hörbasierten Lebensqualität, mit deren Hilfe das kommunikative Verhalten und Verhaltensänderungen klassifiziert werden können.

IHAB-RL wird nach internationaler Ausschreibung durch das Hearing Industry Research Consortium (IRC) gefördert. Im IRC sind die sechs größten Hörgerätehersteller zusammengeschlossen, die insgesamt über 80% des Hörgeräte-Weltmarktes abdecken. Das Konsortium fördert jährlich ein oder zwei Forschungsprojekte, die jenseits allen Wettbewerbs unter den Herstellern einem gemeinsamen Interesse dienen.