Kommunikationsstrategien altersschwerhöriger Menschen

Hintergrund

Copingstrategien

Durch eine Hörstörung entstehen vielfältige Einschränkungen in der subjektiven Lebenswelt. Besonders die Kommunikation mit der Umwelt gestaltet sich zunehmend als schwierig und führt oft zu einem eingeschränkten Wohlbefinden. Untersuchungen zeigen, dass das Wohlbefinden nicht ausschließlich von der subjektiv eingeschätzten Hörfähigkeit abhängt (Hogan et al. 2009). Vielmehr können Bewältigungsstrategien (Coping) entwickelt und angewendet werden, die sich positiv auf das Leben mit Hörstörung auswirken. Der Nutzen von Copingstrategien hängt von vielen Faktoren ab. So spielen Emotionalität, Persönlichkeitsstruktur oder das soziale Umfeld eine wichtige Rolle.

Kommunikationsstrategien

Die Kommunikationsfähigkeit von Menschen mit Hörschädigung hängt neben der Hörfähigkeit von den angewendeten Copingstrategien ab. Beziehen sich die Copingstrategien auf den Kommunikationsprozess werden sie als Kommunikationsstrategien bezeichnet. Den Kommunikationsstrategien kommt in der Bewältigung der Altersschwerhörigkeit eine zentrale Rolle zu. So stellt eine gelungene Kommunikation die Hauptquelle für positive Lebenserfahrungen dar (Eisenwort et al. 2010). Kommunikationsstrategien können vielfältig gestaltet und eingesetzt werden. Bei der Anwendung von adaptiven Kommunikationsstrategien, die einen kommunikativen Austausch ermöglichen oder unterstützen, beeinflussen die Kommunikationspartner des sozialen Umfeldes, welche Strategie erfolgreich eingesetzt werden kann (Gomez & Madey 2001). Für die erfolgreiche Bewältigung von Hör- und Verständnisproblemen ist daher die Bereitschaft und Aktivität der beteiligten Kommunikationspartner erforderlich.

Significant Others

Die Lebenswelt von Personen mit Hörschädigung wird wesentlich durch die soziale Lebenssitua­tion beeinflusst. Großen Einfluss auf das subjektiv erlebte Lebensgefühl der Person mit Hörschädigung haben die Inter­aktionspartner. Bedeutsame Interaktionspartner sind insbesondere die Lebenspartner, aber auch andere nahestehende Personen, wie Freunde, Verwandte oder Nachbarn. Auf Grund ihrer großen Bedeutung auf die Lebenswelt werden sie als Significant Others bezeichnet (Scarinci et al. 2009).

Hörbedingte Kommunikationsschwierigkeiten und die einhergehenden Bewältigungsstrate-gien beeinflussen die Partnerschaft sehr. Oft erkennen die Lebens­partner noch vor den Betroffenen eine beginnende Hörstörung und machen auf diese aufmerksam. Darüber hinaus übernehmen Ehepartner und Angehörige wichtige Funktionen in der Rehabilitation von Menschen mit Hörstörung (Donaldson et al. 2004). Zudem unterliegt der Alltag der Lebenspartner vielfältigen Veränderungen durch eine Hörstörung. Sie übernehmen kommunikative Aufgaben, meiden gemeinsam Situationen mit Hörbelastung etc..

Daher rückt die Dimension des dyadischen Copings in das Zentrum der Erhebung indem sowohl die Person mit Hörschädigung als auch die Lebenspartner/in zu der Lebenssituation und deren Bewältigungsstrategien befragt werden.

Vorgehensweise

Es werden die Personen mit Hörstörungen und ihre Lebenspartner zu ihrer Lebenssituation und den Copingstrategien getrennt voneinander parallel befragt. Die Ergebnisse werden in Bezug gesetzt und die dyadische Dimension Bewältigung der Hörstörung erfasst. Die Daten werden durch die audiome­trische Erfassung des Hörstatus beider Probanden ergänzt.

Dazu werden halbstandardisierte Interviews mit quantitativen und qualitativen Anteilen durchgeführt. Die Stichprobe umfasst 30 Probandenpaare im Alter zwischen 60 und 70 Jahren, die normalhörend waren und derzeit einen Hörverlust zwischen 30 und 90dB aufweisen.

Weiterführende Literatur

Donaldson, N., Worral, L. & Hickson, L. (2004) Older People with Hearing Impairment: A Literature Review of the Spouseis Perspective in The Australian and New Zealand Journal of Audiology,Vol.26, No 1, 30-39

Eisenwort, B., Schlanitz, F. & Niederkrotenthaler, T. (2010) Schwerhörigkeit – Gelungene Kommunikation als Hauptquelle positiver Lebenserfahrungen in HNO, 58, 459-464

Gomez, R. G. & Madey, S.F. (2001) Coping-With-Hearing-Loss Model for Older Adults in Journal of Gerontology, Vol. 56B, No. 4, 223-225

Heine, C., Erber, N.P., Osborn, N. & Browning, C.J. (2002) Communication perceptions of older adults with sensory loss and their communication partners: Implications for intervention' in Disability And Rehabilitation, Vol. 24, No. 7, 356-363

Hoffmann, C., Wemheuer, M., Blase, N. Fischer, O. & Baldzer, C. (2013) Die Bedeutung der Significant Others bei der Bewältigung eines Hörverlusts, unveröff. Projektbericht, Institut für Hörtechnik und Audiologie Oldenburg, Jadehochschule

Hogan, A., O`Loughlin, K., Miller, P. & Kendig, H. (2009) ) The health impact of a hearing disability on older people in Australia in Journal of aging and Health, Vol. 21,No.8, 1098-1111

Lazarus, R. S. & Folkman, S. (1984) Stress, Appraisal and Coping. New York: Springer.

Manchaiah, V.K.C. , Stephens, D. & Lunner, T. (2013) Communication Partners`Journey through Their Partner`s Hearing Impairment in International Journal of Otolaryngology, Vol. 2013, Article ID 707910

Pfaff, H. (1989) Stressbewältigung und soziale Unterstützung. Zur sozialen Regulierung individuellen Wohlbefindens. Weinheim: Juventa.

Scarinci, N., Worrall, L. & Hickson, L. (2009) The effect of hearing impairment in older people on the spouse: Development and psychometric testing of The Significant Other Scale for Hearing Disability (SOS-HEAR) in International Journal of Audiology, 48, 671-683

Stephens, D. & Kerr, P. (2003) The role of positive experiences in living with acquired hearing loss in International Journal of Audiology, 42, 118-127

Tesch-Römer, C. (2001) Schwerhörigkeit im Alter. Belastung Bewältigung Rehabilitation. Median-Verlag.

Tesch-Römer, C. & Nowak, M. (1996) Höreinbußen im Alter: Belastung und Bewältigungsmöglichkeiten in Tesch-Römer, C. & Wahl, H. Seh- und Höreinbußen älterer Menschen, Darmstadt: Steinkopf Verlag,107-125

Veröffentlichungen

  • DGA, Vortrag am 14. März 2014, Copingstrategien von Personen mit Hörstörung (S.Seybold, F.Koppelin, B. Müller-Dohm, K. Plotz)
  • DGA 2014, Posterpräsentation, Generierung eines Kurzfragebogens zur Erhebung von hörbasierter Lebensqualität von CI-Patienten (B. Müller-Dohm, F.Koppelin, K. Plotz, S. Seybold )
  • DGA 2014, Posterpräsentation, Abhängigkeit der hörbasierten Lebensqualität nach CI-Versorgung von Dauer der präoperativen Hörbeeinträchtigung und der Dauer der sensorischen Deprivation postlingualer CI-Träger (K. Plotz, F. Koppelin, D. Müller-Dohm, S. Seybold)