MASH MASH

Weltweit überspielen Rundfunkanstalten und Medienfirmen ihre analogen Archive auf digitale Datenträger. Die Gründe hierfür sind die geringeren Lagerungskosten, aber auch die Bestandssicherung, vor allem bei älteren Aufnahmen. Das zu überspielende Material ist sehr vielfältig. Bei Rundfunkstationen als Archivbesitzer sind es häufig Sendemitschnitte, die das ausgestrahlte Programm beinhalten. Das Audiomaterial besteht in diesen Fällen aus Nachrichten, Redebeiträgen, Feature-Beiträgen oder Musik, die gemeinsam auf diesen Bändern vorkommen. Bei der Überspielung von Film- und Fernsehbeiträgen liegen ähnliche Verhältnisse vor, da bei einem Film auch Dialoge, Musik und Hintergrundsignale zum einen gemischt und zum anderen aneinandergereiht wurden. Diese Abschnitte können unterschiedliche akustische Eigenschaften aufweisen und sich bezüglich der Hintergrundstörungen sehr unterscheiden.

Für eine Neuveröffentlichung des Materials ist häufig eine moderate Restauration notwendig oder zumindest wünschenswert, damit der Klang sich besser in das umgebende, moderne Klangbild einpasst. Bisher müssen für eine befriedigende Lösung die einzelnen Abschnitte manuell von einem Experten restauriert werden. Aus Kostengründen ist aber zukünftig eine automatische Restauration notwendig, da ein Großteil des Programms kein Premiuminhalt ist, sondern Massenware mit geringerem Marktwert. Diese automatische Restauration ist ansatzweise für homogene Bereiche möglich, wobei aber viele Einschränkungen vorhanden sind, die ein erfahrener Ton-Ingenieur berücksichtigt.

Um die Vorgehensweise zu veranschaulichen soll das folgende Beispiel einige der zu erwartenden und relevanten Probleme illustrieren und die Auswahl der in diesem Projekt adressierten Probleme motivieren: Eine Feature-Aufnahme über den Regisseur Fritz Lang könnte zunächst eine Anmoderation enthalten, anschließend einen Ausschnitt aus dem Film „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“, gefolgt von einem Interview und einer Preisverleihung mit Dankesrede von Fritz Lang, jeweils mit Zwischen- und Endmoderation. Die eingespielten Anteile stammen jeweils aus einem anderen Jahrzehnt, so dass sich die Qualität deutlich unterscheidet. Semantisch ist das Feature eine Sendung und bildet eine Einheit, somit liegt zur weiteren Bearbeitung genau eine Audiodatei vor. Die Moderationsanteile sind von sehr guter Qualität und sollten möglichst nicht bearbeitet werden. Beim Interview ist bei der Aufnahme ein Brummen aufgetreten und das Grundrauschen ist deutlich erhöht. Die Filmszene hat die typischen Artefakte einer Filmtonaufnahme mit den starken Verzerrungen bei lauten Stimmen. Bei der Dankesrede ist am Ende viel Applaus zu hören. Ein Restaurator würde die einzelnen Teile separieren, getrennt bearbeiten und anschließend wieder zusammenführen, da die bisher entwickelten Werkzeuge zur Restauration nur homogene Abschnitte hochqualitativ bearbeiten können. Für jeden Abschnitt würden spezialisierte Werkzeuge zum Einsatz kommen und von Hand optimal eingestellt werden. Im Projekt „AURUM: Automatische Restauration von Audiosignalen in Medienarchiven“ wurde versucht, diesen letzten Schritt für einige Standardwerkzeuge zu automatisieren, also eine automatische Auswahl der Algorithmen mit passender Parametereinstellung zu finden. Die Lösungen würden aber im erdachten Beispiel mit der Gesamtdatei nur sehr schlechte Ergebnisse liefern, da die Gesamtsendung keine homogene Einheit bildet. Eine Segmentierung in Einheiten homogener Hintergrundstörungen ist somit notwendig. Zusätzlich sind bisher keine Lösungen bekannt wie die nicht-linearen Verzerrungen beim Filmton (Donnereffekt) effektiv beseitigt werden können, wenn nur die Audiospur vorliegt. Aus Erfahrung ist weiterhin bekannt, dass Applaus bei der Verarbeitung als impulshafte Störung aufgefasst wird und üblicherweise nach der Verarbeitung einen unnatürlichen Klang aufweist. Diese Artefakte gilt es zu vermeiden. Erweitert man den Kontext nun auf 10000h und einer größeren Menge ähnlichen Materials im Archiv, wird deutlich, dass es wünschenswert wäre, wenn es ausreichte, dass eine künstlerische Leitung für bestimmtes Material eine Leitlinie festlegt, wie das Klangergebnis nach der Restauration aussehen sollte.