Forschungsprofessur FH! – Psychische Gesundheit in der Arbeits­gesellschaft PsychGeA

Im Projekt PsychGeA wird die Rolle der atypischen Arbeitsverhältnisse im Zusammenhang mit der Entstehung psychischer Erkrankungen näher beleuchtet. Hierbei soll ein besonderes Augenmerk auf den Einfluss von Geschlechterrollen gelegt werden, also darauf, wie Männer und Frauen ihre gesellschaftliche Rolle verstehen. Damit setzt die Public Health-Forschung an den aktuellen, dynamischen Entwicklungen am Arbeitsmarkt an.

Mit der Forschungsprofessur ist das Ziel verbunden, eine Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Expertise in der arbeitsweltbezogenen Gesundheitsforschung mit dem Aufgreifen folgender neuen Forschungslinien zu verfolgen. Im Fokus stehen die Bedingungen der Arbeitsgesellschaft und die Dynamiken des Wandels unter der besonderen Perspektive der Geschlechterrollen in Deutschland. 

Ziel der dreijährigen Forschungsarbeit ist die Identifizierung von Geschlechterrollen-Konzepten die einen Einfluss auf die Beanspruchungsfolgen von Erwerbsarbeit ausüben und zu psychischen Erkrankungen führen.

Dabei wird insbesondere die forschungsleitende Frage verfolgt, inwieweit haben die jeweils für die Geschlechter unterschiedlichen Rollenkonzepte einen Einfluss auf die psychische Gesundheit im Erwerbsverlauf? 

Zur Bearbeitung der Frage werden sowohl Erwerbsverlaufsanalysen mit Routinedaten der AOK Niedersachsen (bei atypisch beschäftigten Frauen und Männern) sowie weitere Sekundärdatenanalysen als auch Primärdatenerhebungen in ausgewählten Betrieben der beteiligten Kooperationspartner durchgeführt und in Zusammenhang zur psychischen Gesundheit gestellt.

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Veröffentlichungen