Validierung von Hörgeräteanpassung mit Sprachtestverfahren im Labor und Alltag VANPASALL

Der Freiburger Einsilbertest (FBE) besteht aus 20 Listen mit jeweils 20 einsilbigen Nomen und wurde in den 50er Jahren von Hahlbrock (1953) entwickelt. Hahlbrock sah die Notwendigkeit in der einheitlichen Bestimmung des Sprachverstehens, um Einschränkungen des Sprachverstehens bedingt durch eine Hörschädigung erfassen zu können. Seit den 1980er Jahren ist dieser Test unter anderem bezüglich der Aktualität des Sprachmaterials, der Artikulation, der Reliabilität, der perzeptiven und phonemischen Ausgewogenheit in der Kritik. Ein Vergleich der Studien zeigte, dass aufgrund der unterschiedlichen Methoden verschiedene Ergebnisse resultierten. Um diese Kritikpunkte datenbasiert zu analysieren, erfolgten verschiedene Studien des FBE nach normativen Vorgaben.

Bei der Hörgeräteversorgung werden Unterschiede im Sprachverstehen erfasst: Verbesserung des Sprachverstehens durch die Hörgeräte oder ein Vergleich von verschiedenen Hörgeräteeinstellungen. Der verwendete Sprachtest sollte daher das Sprachverstehen möglichst genau erfassen. Um das gemessene Sprachverstehen nicht durch die Auswahl der Testliste zu beeinflussen, sollten die Listen in ihrer Phonemverteilung und Perzeption ausgewogen sein. Das bedeutet, dass unter gleichen Messbedingungen das gleiche Sprachverstehen, unabhängig von der Wahl der Liste, erreicht wird.

Durch die Verwendung von Einsilbern im FBE war eine Abweichung zur Phonemverteilung im Deutschen zu erwarten. Dennoch zeigte sich, dass die Verteilung der Vokal- als auch der Konsonantenklassen über alle Listen des FBE nahezu äquivalent ist. Die Ergebnisse zur perzeptiven Äquivalenz ergaben, dass vier Listen des FBE in Ruhe und drei Listen im CCITT-Rauschen einfacher bzw. schwieriger zu verstehen waren. Da der Test in den 50er Jahren entwickelt wurde, liegt es nahe, dass sich der Sprachgebrauch seitdem verändert hat und die perzeptiven Unterschiede erklärt. Eine Analyse mithilfe der CLEARPOND Datenbank ergab, dass 24 der 400 Einsilber in der heutigen Sprache nicht mehr verwendet werden. Die Verteilung dieser 24 Wörter war nahezu homogen über alle Listen. Nicht nur die Verwendungshäufigkeit, sondern auch die phonologischen Nachbarn beeinflussen das Wortverstehen. Diese werden mit der sogenannten Nachbarschaftsdichte beschrieben. Nachbarn sind Wörter, die sich nur in einem Phonem vom Zielwort unterscheiden. Die Interaktion zwischen Verwendungshäufigkeit und Nachbarschaftsdichte kann folgendermaßen beschrieben werden: Wenn ein Wort eine hohe Verwendungshäufigkeit und geringe Nachbarschaftsdichte hat, ist es leichter zu verstehen als ein Wort, dass kaum verwendet wird und eine hohe Nachbarschaftsdichte aufweist. Dieser Zusammenhang konnte teilweise die perzeptiven Unterschiede erklären.

Wenn die Äquivalenz der Listen gegeben ist, unterliegt aber auch jedes Testverfahren einer Messunsicherheit. Um diese für den FBE zu bestimmen, erfolgten innerhalb des Projektes verschiedene Messungen und Modellierungen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Verwendung von zwei Listen je Messkondition die Messgenauigkeit des FBE erhöht und somit signifikante Unterschiede im Sprachverstehen z. B. durch eine Hörgeräteversorgung erfasst werden können.

Ein weiterer Aspekt in der alltäglichen Kommunikation ist das Sprachverstehen im Störgeräusch. Wie auch bei anderen Sprachtests zeigte sich auch beim FBE, dass das verwendete Störgeräusch und die räumliche Darbietung von Sprache und Störgeräusch das Sprachverstehen signifikant beeinflussen. Weiterhin wurde für die frontale Darbietung von Sprache und CCITT-Rauschen eine Bezugskurve erstellt, um Einschränkungen durch eine Hörschädigung auf das Sprachverstehen, im Vergleich zu Menschen ohne Hörbeeinträchtigung, ableiten zu können.